Die Chronik Hermannschlager

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Die Hermannschlager Kapelle

Auf der Rückreise von einem Steiermarkurlaub besuchten wir, meine Mutter und ich, ohne dies vorher geplant zu haben, am 12./ 13. Juni 1992 deren Geburtsort Hennannschlag. Da gerade ein Gewitterguss niederging, suchten und fanden wir Unterschlupf bei einer Familie Rudolf Henzel

womit die Renovierung der o.a. Kapelle ihren Anfang nahm…

In deren unmittelbaren Nachbarschaft nur getrennt durch den Zufahrtsweg zum aufgelassenen Friedhof, steht das Gasthaus Steininger, zuletzt Pranz Steininger, Hausname Steckschneider. Der alte Inhaber, ]ohann Steininger, hatte 12 Kinder, von denen heute nur noch die Marie und die Anni leben. Deren Ältester bin ich, der Unterzeichner dieser Zeilen, dessen Erinnerung an Hermannschlag sich auf zwei Besuche bei den Grosseltern beschränkt und der Haus- und Familiennamen nur vom Hörensagen kennt… Das Wort „Heimat“ und ein gewisses romantisches Fuhlen und Denken, für das jeder selbst verantwortlich ist, haben mich dazu veranlasst, eine Startspende zu Händen von Herrn Franz Opelka zu geben, mit dem mich Herr Henzel bekannt machte. Ich fühle und glaube, dass wir mit den beiden genannten Herren zwei überzeugte und zudem in Herrn Opelka einen fachlich kompetenten Mithelfer und Mitstreiter gefunden haben, schliesslieh hat er die Renovierung von BRUNNL und HARDETSCHLAG zu allgemeiner Zufriedenheit organisiert und geleitet.

Ich bin innerlich beruhrt und gleichzeitig betroffen um die Kapelle geschlichen, habe durch die eingeschlagenen Fenster fotografiert und bin, nach Entdeckung eines kaputten Fensterkreuzes, ins Innere geklettert und habe nochmals dokumentiert.

Eigentlich erstaunlich, es ist noch alles vorhanden: Die Kirchenbänke samt Kerzenhaltern, die Fahnenstange, der gesamte Altar und das grosse Kruzifix an der Seite….. die Glocke hängt noch imbeschädigten Türmchen und däs grosse Aussenkreuz rechts neben der Kapelle ist fast noch in alter Pracht vorhanden...
...kurz und gut, die Kapelle ist in einem renovierungsfähigen und somit in einem renovierungswürdigen Zustand, der einen Mitarbeiter eines Amtes für Denkmalp0ege ins Schwärmen bringen könnte...

Diese Zeilen werden demnächst in der Zeitschrift des Vereines “Glaube und Heimat”, Ellwangen, erscheinen und am 2. August d. J. werden wir anlässlich einer Wallfahrt in BRUNNL mit einer Bilddokumentation zugegen sein.

Liebe Hermannschläger, alte und Nachfahren, ganz gleich, wo Ihr im Moment wohnt, helft mit, soweit Ihr es könnt, unser Unterfangen finanziell zu unterstützen. Vor Ort hat sich Herr Henzel bereiterklart, meinen Text zu übersetzen und an der Kapelle anzuschlagen, um auch den jetzigen Einwohnern Gelegenheit zu geben, sich uns anzuschliessen und ebenfalls zu spenden.

Ich würde mir wünschen, dass im gleichen Zuge das benachbarte Kriegerdenkmal mit renoviert, dafur das verrostete Wartehäuschen entfernt oder wenigstens seitlich versetzt würde. Vielleicht entsteht nach AbschluB der Arbeiten mitten im Dorf ein Platz der Begegnung mit Blick nach vorne. Geschichte lasst sich nicht zurückdrehen, auch wenn es manchmal weh getan haben sollte …..

Packen wir es an, es gibt noch viel zu tun! Nach AbschIuss der Renovierung lade ich schon heute zu einer feierlichen Messe und heiterem Heimattreffen auf dem Platz vor der Kapelle ein.

Mit lieben Heimatgrüssen Helmut Kern
Liebe hermannschlager!

Mit dieser geschichtlichen Zusammenfassung und Erstellung einer kurzen Ortschronik habe ich mir selbst einen langgehegten persönlichen Wunsch erfüllt. Unsere Böhmerwaldheimat, so wie sie war, soll nicht in Vergessenheit geraten. Sicherlich gäbe es über unser Heimatdorf und seine Bewohner, über besondere Vorkommnisse und Ereignisse in unserer Dorfgemeinschaft noch allerhand zu berichten. Es geht daher an alle Hermannschläger die Bitte, mir durch ihrenpersönlichen Beitrag behilflich zu sein, das Bild unserer verlorenen Heimat noch zu ergänzen.

Ich schreibe diese Zeilen mit blutendem Herzen, denn wir wissen aus vielen Berichten, dass unsere Heimat noch immer weithin entvölkert ist, dass Wälder, Sümpfe, Strauchwerk und Brennessel nun wieder nach dem einstmals mühevoll gerodeten Land greifen. Ehemalige schmucke Gehöfte und Häuser sind nur noch Schutthaufen, dem vollkommenen Verfall preisgegeben, Wege und Stege sind verwachsen und viele der schönsten Bauernhöfe zerstort und dem Erdboden gleichgemacht. Seit wir fort sind, hat das Land sein Antlitz vollkommen gewandelt.

Die gegenwärtige Entwicklung in Europa lässt kaum hoffen, dass wir jemals wieder das von unseren Vorfahren ererbte deutsche Land zuruckerhalten werden, doch die Liebe zu unserer Heimat, zu unserem schonen Bahmerwald, wollen wir uns bis zum Lebensende bewahren.

  • Es grüsst alle Hermannschläger
  • Johann Wögler ( München)
  • Herrmanschlag- Geschichtlicher Ruckblick

Ein wunderschönes Land, dieses Bohmen, mit seinen dichtbewaldeten Gebirgen, seinen Tätem voller schäumender Wildbäche, seinen schmucken Kirchen und Kapellen und seinen Dörfem im Schatten hundertjähriger Linden. Ein anmutiges Land, das man als “Kleinod Europas” zu nennen pflegte.

Im Südwesten und im Süden ist Böhmen vom “Böhmerwald” umrahmt. Dort, im südlichen Teil des Böhmerwalds, im Kreis Kaplitz, liegt der Ort “Hermannschlag”, der kaum auf einer Landkarte verzeichnet ist. Hermannschlag ist mein Heimatort, der Ausgangspurikt meiner Ortschronik. Meine Darstellungen werden aber nur das richtige Verstandnis Bnden, wenn man die historische Entwicklung in Böhmen im allgemeinen und im Gebiet des Böhmerwalds im besonderen kennt. Es wird daher notwendig sein, zunächst einen Blick in die Geschichte zu tun, bevor ich in die Ortschronik einsteige.

Viele tschechische Politikerund Historiker wollen der Weltvorreden, dass die Tschechen die Ureinwohner der Sudetenländer gewesen seien. Daraus versuchen sie das Ausschliesslichkeitsrecht auf den Besitz von Böhmen und unseres Heimatgebiets abzuleiten. Eine Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen, wie es sie in der Darstellung der tschechischen Geschichte seit jeher gibt.

Zu Chrlsti Geburt lebten in Böhmen die keltischen Bojer, nach denen das Land seinen Namen hat. Von Christi Geburt an bis ins 6. Jahrhundert bewohnten nur germanische Stämme (Bojer, Markomannen, Quaden, Langobarden) die Sudetenländer und die Slowakei. Erst als Teile dieser Germanen am Ende der Völkerwanderung aus diesen Gebieten abgezogen waren, erfolgte -ungefähr um 550 n. Chr. die Einwandemng der Tschechen. So ist bekannt, dass Herzog Cech im Jahre 640 n. Chr. mit seinem Gefolge aus Galizien über die Nordhänge der Sudeten in Böhmen einzog und sich mit seinem Volk in den Niederungen um Altbunzlau ansiedelte. Sie fanden hier eine schwache germanische Restbevölkerung vor, die gegen die Eindringlinge keinen Widerstand leisten konnte. Die grossen Waldgebiete am Rande Böhmens, der Böhmerwald, das Erzgebirge und das Fichtelgebirge blieben jedoch unbesiedelt.


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Seit dem 10. Jahrhundert gehörten die böhmischen Wälderden Landesfürsten. Sie waren von diesen als Grenzschutz umso geschätzter, je undurchdringlicher sie waren. Dies änderte sich, als sich zwischen 1251 und 1273 die Machtgelüste des böhmischen Königs Ottokar II. auf die österreichischen Länder richteten und eine engere Verbindung mit diesen wünschenswert erscheinen liessen. Einer solchen Zielsetzung stand der dichte Wald als Hindemis im Weg. Er vergab daher um die Mitte des 13. Jahrhunderts den ganzen südlichen Grenzwald an Adelige und Klöster zum Zwecke der Besiedlung. Von diesen wurden deutsche Kolonisten als Bauern, Handwerker, Bergleute und Kaufleute ins Land gerufen, die die Urbarmachung und den wirtschaftlichen Aufbau übernahmen. Die slawischen Fürsten haben später versucht, ihre Städte ebenfalls mit Hilfe von deutschen Bürgern nach „deutschem Recht“ zu gründen. Die Cründung von Budweis durch König Ottokar II. im Jahre 1265 ist ein typisches Beispiel flir diesen geschichtichen Vorgang in unserer Heimat.

Die Besiedlung ging in der Form vor sich, dass die Grundherren jeweils sogenannte „Lokatoreri' für ein bestimmtes Gebiet einsetzten. Die Lokatoren beriefen die Siedler und bestimmten die "Roder' oder "Exstirpatoren“. Grosse Strecken mussten bewältigt werden, die Zeit drüngte, und viele Menschen wurden benötigt. Jm benachbarten Österreich und Bayem gab es noch genug junge Menschen, die in ihrer Heimat nur eine dienende Stellung hatten. Um selbständig zu werden, waren sie gerne bereit, nach Böhmen za ziehen und das Land urbar zu machen. So machte die Besiedlung unserer Heimat – vom Adel und von der Kirche in Angriff genommen-rasche Fortschritte. Im 13. und 14. Jahrhundert erstreckten sich bereits ausgedehnte Herrschafts-und Klostergüter über unseren Bezirk.

Um das Jahr 1220 gehörte bereits der gesamte südliche Teil des Böhmerwalds dem Geschlecht der Witigonen, das sich als Geschlecht der „Herren von der Rose“ in mehrere Zweige – Rosenberg, Krummau, Neuhaus und Landstein- teilte. Der mächtigste Zweig war der Zweig der „Rosenberge“, der sich nach der im Jahre 1250 zam ersten Mal erwähnten Burg Rosenberg benannte. Im Jahre 1437 umfasste die Herrschaft von Rosenberg bereits 73 Siedlungen. Daneben besassen die Herren von Strakonitz 65 Siedlungen, die zwischen 1257 und 1531 gegründet wurden. Dazu geharten auch Kaplitz (1257), Umlowitz und Pflanzen (1361), Brettem (1369), Radischen (1393) und Burg Lauseck (1448). Die Herrschaft Gratzen, die die Herren von Rosenberg von dem in Celdxhwierigkeiten geratenen Landsteiner Witigonen im Jahre 1359 gekauft und dann erweitert hatten, umfa(tte Burg und Stadt Gratzen, Niedertal, Sohors, Forbes, Buggau, Bohmdorf, Schweinitz, Strobrtitz, Friedrichschlag, Schlagles, Langstrobnitz, Luggau, Buschendorf, Hardetschlag, Waldetschlag und Deutsch-Reichenau. Stark gefördert wurde die Besiedlung auch durch die Herrschaft von Michelsberg. Die ersten Häuser von Deutsch-Beneschau dürften um 1306 unter dem Gmndherm Benesch I. von Michelsberg entstanden sein. Daher auch der Name “Beneschau’. Unter Johann von Michelsberg und seinem Sohn Benesch wurden femer die Ortschaften Meinetschlag, Zimetschlag, Sinnetschlag, Radinetschlag, Heinrichschlag u. a. gegründet.

König Wenzel Il. von Bahmen schenkte den Besitz der Burg Weleschin mit den dazugehörigen weitreichenden Landereien, wozu auch das Gebiet um das spatere Hermannschlag gehörte, am 28. August 1283 dem Johann von Michelsberg. Dessen Enkel, Heinnch 1. von Michelsberg, gründete 1352 den Ort Heinrichschlag und schenkte ihn der Pfarrei in Deutsch-Beneschau, weshalb er seitdem “Pfaffendorf’ hiel3. Heinrich II. von Michelsberg, der Sohn Heinrich 1., erbte Beneschau samt der Burg, GroB-Callein und Radinetschlag. Er lieB auf der Burg in Beneschau eine Kapelle errichten (1368) und diese dem Hl. Wenzel weihen. Wann Heinrich II. starb und ob er in seiner Burgkapelle in Beneschau begraben wurde, ist unbekannt.

Aufgrund eines Vertrags zwischen den Brüdern Heinrichs II. von Michelsberg und den Rosenbergem, der “auf einer Anhöhe im lieblich gelegenen Walddorf Meinetschlag” abgeschlossen worden war, schalteten und walteten auf dem Weleschiner Gut der Michelsberger seit 1360 die Rosenberger als Verweser dieses Herrschaftsbesitzes. Das war der Anfang vom Ende der Michelsberger Herrschaft, denn als Johann IV. von Michelsberg im Jahre 1380 die Verwaltung seiner Güter übernahm, war er nicht mehr imstande, sie in Ordnung zu bringen und seinen Schuldenberg abzutragen. Er musste seinen Besitz, zu dem auch Beneschau gehörte, verkaufen. Die Besitzungen würden der Rosenbergischen Herrschafr Gratzen einverleibt. Heinrich von Rosenberg erwarb die Herrschaft Weleschin mit den dazugehöngen Ländereien - somit auch mit dem Gebiet des später entstandenen Hermannschlags - am 2. Oktober 1387. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Michelsberg’she Besitz, der zwischen dem Rosenberg’schen Besitz Markt Zettwing und der Herrschaft Gratzen lag, für den direkten Verkehr von Freistadt über Meinetschlag, Beneschau, Schweinitz und Wittingau ein Hindernis gewesen. Die Rosenberger mussten stets wegen des “Strassenzwangs” den Umweg über Budweis einschlagen. Nun hatten sie einen eigenen unmittelbaren Anschluss an den alten “Boheimsteig”, der den Teindleser Cau über Gratzen, Strobnitz und den Sattel von Scheiben mit dem Steig von Weitra verband. Dieser neue Weg war aber ein sogenannter “Schliefweg”, d. h. ein “nicht-privilegierter’ Weg, der erst nach langen Verhandlungen durch das Strassenmandat Maximilians II. vom 23. März 1570 als Strasse rechter Hand von Freistadt aus für den öffentlichen Verkehr freigegeben wurde. Die grBssten Schwierigkeiten gegen die Freilassung der neuen StraBe gingen von den Budweisern aus. Karl IV. hatte nämlich mit Strassenzwangsprivilegium vom 4. Mai 1351 zugunsten der Budweiser beStimmt, dass alle Kaufleute, die mit ihren Wagen von Freistadt nach Böhmen oder von hier nach Osterreich fahren wollten, ihren Weg über Budweis und den Kerschbaumer Pass zu nehmen hatten. Durch die Freigabe der neuen Strasse fühlten sich die Budweiser in ihren Rechten und Einnahmen schwer geschadigt.

Die Gründung von Hermannschlag dürfte im Auftrag der Herren von Michelsberg erfolgt sein, denen damals dieser Landstrich bis hin zur Osterreichischen Grenze gehörte. Ihnen oblag der Schutz der von der Donau nach Böhmen führenden Steige oder Saumpfade, weshalb sie an geeigneten Stellen mehr oder minder feste Wachburgen anlegen liessen, um die sich dann die Ansiedlungen bildeten.

Der in Böhmen herrschende Salzmangel zwang seine Bewohner, eine Verbindung zu den mit reichem Salzvorkommen gesegneten Nachbarn zu suchen. Schon zur Römerzeit war daher der Bau einer Strasse durch die fast undurchdringlichen Wälder des Grenzgebirges in Angriff genommen worden, um die Einfuhr des begehrten und lebensnotwendigen Salzes in das Moldauland zu ermöglichen.

Warum war damals Salz so wichtig? Vor Einführung des Rübenbaues und des Fruchtwechsels gab es nicht genügend Winterfutter für das Vieh. Also wurde im Herbst ein Teil des Viehs geschlachtet und das Fleisch mit Hilfe von Salz als Raucher- und Pökelware haltbar gemacht. Auch für die alltaglichen Fleischmahlzeiten, ohne Gemüse oder Kartoffeln, gingen bei Zubereitung “Pfeffer und Salz” in grossen Massen drauf. Ausserdem diente Salz als Futterzusatz für das Vieh und zum Gerben von Hauten.

Wichtigster Transportweg war ursprünglich die als “Goldener Steig” bezeichnete Strasse. Ausgangspunkt war die Passauer Ilz-Stadt, wo das aus den Berkwerken des Berchtesgadener Landes und des Salzkammergutes gewonnene und auf dem Inn abwärts verschiffte gut gestapelt wurde. Diese Trasse verband Passau mit der etwa 80 km entfernten altehrwürdigen Stadt Prachatitz in Bohmen. Im 14. Jahrhundert spalteten sich im Raum Freyung zwei Nebenpfade ab, von denen der eine nach Winterberg und der andere nach der freien Goldbergstadt Bergreichenstein führte. Auf diesen Säumpfaden wurde die Salzlast auf mit Pferden bespannten Karren oder mit beidseitig beladenen Saumrössern und Kraxentragern ins böhmische Land geschleppt. Den Hahepunkt erreichte der Saumhandel im 16. Jahrhundert. Man zahlte damals in Prachatitz bis zu 1 200 Saumtiere je Woche. In Passau wurden jahrlich rund 300 000 Zentner Salz umgesetzt. Mit dem schwunghaften Handel ging natürlich auch die Entwicklung der an den Handelswegen gelegenen Ortschaften Hand in Hand. Es entstanden neue Saumersiedlungen, Lager, Stallungen, Herbergen, Gaststatten und Futterplatze. Als Gegenfracht wurden aus Böhmen Getreide, Hopfen, Bier, Branntwein, Wolle und Häute nach Bayem geliefert. Obwohl die Saumer an die Grundherrschaften Zölle und Mauten entrichten mussten, war mit dem Saumhandel ein eintragliches Gewerbe verbunden, womit der Name “Goldener Steig” seine Erklärung findet.


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Böhmen verboten. Die Versorgung Böhmens mit Salz erfolgte später billiger und gefahrloser aus dem Salzkammergut über Linz und Freistadt durch die im Jahre 1829 eröffnete Pferdeeisenbahn. Vorher war die Verfrachtung des Salzes von der Donau nach Budweis von südböhmischen und Mühlviertler Bauern, den „Salzbauern“, besorgt worden, die für eine Hin-und Rückfahrt vier bis fünf Tage brauchten. Täglich waren etwa 600 Fuhrwerke hin und her unterwegs. Vom Gedeihen dieser Unternehmungen waren viele Menschen abhängig, vor allem die Fuhrleute selbst, aber auch viele Gewerbetreibende wie Schmiede, Schlosser, Sattler, Bäcker, Fleischer u. a. Man konnte mit Fug und Recht sagen, daB halb Südböhmen und das halbe Mühlviertel von den Salzfuhren lebte.

Aus Österreich führten damals zwei Saumpfade oder Handelswege durch unser Gebiet. Der eine Weg ging von Freistadt aus über den Kerschbaumer Sattel in Richtung Budweis, der andere verlief über Meinetschlag und Uretschlag und weiter im Tal der Schwarzau nach Kaplitz, wo er in den Kerschbaumer Passweg mündete. CHesen Saumweg verdankt Hermannschlag seine Entstehung. In der Nähe dieses Weges wurde nämlich, wie dies in der Regel der Pall war, ein mit obrigkeitlichen Rechten ausgestatteter Hof errichtet, um den sich gleich-zeitig die angeworbenen „Roder“ ansiedelten. So entstand der Hof Hermannschlag mit seinen Uniertanen, an den sich später talabwärts eine Dorfsiedlung anschloss. Als Langdorf oder Zeilendorf ist es charakteristisch für die damalige Grundungsform deutscher Siedlungen.

Als Vertrauensperson, die vom Grundherrn mit der Urbarmachung des für die Hofanlage bestimmten Platzes betraut wurde, ist ein „Hermann' anzusehen, der am 14. August 1472 urkundlich als Burggraf der Rosenberg'schen Feste Zrubek bei Seltschan genannt wird. Daher die Bezeichnung "Hermannschlag“ (urkundlich als „Hermonslog“ [7530J, „Hermanslag“ [1720], „Hermannschlag“ [bis 1945]). Nach Errichtung der CSR im Jahre 1918 war die tschechische Bezeichnung für unseren Ort „Kuří', was in Obersetzung "Hühnerplatz“ bedeutet. Wahrscheinlich war dies der ursprüngliche Flurname der Liegenschaften, auf denen der Hof und die Siedlung angelegt wurden. Als Lohn fur seine Mühen bei der Rodung erhielt Hermann-entsprechend dem damaligen Brauch - den Hof als Lehen und dieser wurde wohl auch vorübergehend nach seinem Adelspradikat benannt.

Unter der Herrschaft der Rosenberger dürfte dieser südböhmische Landstrich eine wahre Blütezeit erlebt haben, wie die regen Handelsbeziehungen zu Osterreich, der allgemeine Wohlstand der Bürgerschaft in den Markten und die vielen Privilegien der Zünfte bekunden. Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts sah sich der Grundherr wegen der ausbrechenden Hussitenkriege veranlasst, seinen Besitz zu schmalern, um einerseits seine Schutzverpflichtungen zu verringem, andererseits aber durch den Verkauf von Dörfern und Zinsungen die immer leerer werdenden Herrschaftskassen zu füllen. Deshalb veräusserte Ulrich von Rosenberg seine Zinsungen in Hermannschlag am 10. Juli 1433 an das Stift Hohenfurth um den einmaligen Kaufpreis von 118 Schock, 24 Groschen, 1 PLennig. Seither bildete Hermannschlag mit den Dorfern Sacherles, Neudorf, Kropfschlag, Buggaus und Jarmirn das “V Il. Gericht Sacherles” (V II. Judicionatus Zacharlas).

Im Urbar des Stiftes Hohenfurt aus dem Jahre 1530 ist auf den Seiten 247, 248, 249, 365 und 366 über Hermannschlag folgende Eintragung:

  • Ambros Winkler Ge./Ga. 15 gr.
  • Jakob d. Richter Ge./Ga. 13 gr. 3 obl.
  • Andre Pinter Ge./Ga. 7 gr.
  • Hansl Neuwirt Ge./Ga. 11 gr.
  • Mertl Wagner Ge./Ga. 6 gr. 3 obl.
  • Wenzl Jacob Ge./Ga.17 gr. 4 pf.
  • Jakob Peschko Ge./Ga. 22 gr. 3 obl.
  • Mathias Holzer Ge./Ga. 10 gr. 2 pf.
  • Mathias Liesch Ge./Ga. 11 gr. 5 pf.
  • Thomas Winkler Ge./Ga. 16 gr.
  • Hans Glunkl, Richter Ge./Ga. 7 gr. 2 pf.
  • Mathias Säumer Ge./Ga. 7 gr. 2 pf.
  • Laurenz Lackner Ge./Ga. 6 gr.
  • Philipp Ge./Ga. 6 gr. 5 obl.
  • StefB Binder Ge./Ga. 74 1/2 gr.
  • Philipp Pblderl Ge./Ga. 20 1/2 gr.
  • Mathias Bastler Ge./Ga. 19 gr. 4 pf.
  • Wenzel Bastler Ge./Ga. 17 gr.
  • Stefan Holzer Ge./Ga. 7 gr. 2 pf.
  • Andreas Holzer Ge./Ga. 12 gr. 2 pf.
  • Peter d. Müller Ge./Ga. 12 gr. 1 1/2 pf.
  • Stefan Machenkrieg Ge./Ga. 14 1 /2 pf.
  • Hans Bastler Ge./Ga. 7 gr. 2 pf. 24. Martin. Sohn d. Erhard Ge./Ga. 21 gr. 4 pf.
  • Ambros Bastler Ge./Ga. 13 gr. Minus 1 obl.
  • Thomas Bergmann Ge./Ga. 10 1 gr.
  • Bartl Böhm Ge./Ga. 4. sol. pf
  • Kaspar Welser Ge./Ga. 19. gr. 4 pf.

Summe der Zinsungen zu Georg und zu Galli im Dorf Hermannschlag: 10 fl. 84 kr.

Nach den Gepflogenheiten der damaligen Zeit gingen die Besitztümer jeweils vom Vater auf den Sohn über, so dass es oftJahrzehnte, ja selbst Jahrhunderte hindurch unnötig erschien, auch eine Änderung der Namen in den Urbarien vorzunehmen. Deshalb finden wir auch in den Aufzeichnungen im Hohenfurther Urbarien über den Ort Hercnannschlag keine neuen Besitzer erwähnt. Erst im Jahre 7603 and 7636 erscheinen neue Besitzernamen, und zwar Valentin Holzer, Andreas Liesch, Bartholomeus Schönauer, Matttias Amesperger, Paut Jaksche und Galle Jaksche. Auffallend ist, dass sich viele alte Besitzernamen von 1530 späterhin in zahlreichen Hausnamen bis zur Vertreibung im Jahre 1946 erhalten haben.

Am 6. November 7611 starb in Wittingau Peter Wok von Rosenberg. Seine Leiche wurde in das Süft Hohenfurth überführt und dort feierlich bestattet. Mit ihm edosch das berühmte Geschlecht der Herren von Rosenberg. Sein unmittelbarer Erbe war Nikolaus von Seren (Zriny), der jedoch ebenfalls bereits am 24. Pebruar 1612 gestorben ist. Dadurch trat in der ausseren Verwaltung des Stiftes Hohenfurth und deren zugehörigen Besitztümern eine gewaltige Änderung ein. Das Stift kam zunächst unter den unmittelbaren Schutz des Kaisers, ging dann aber an dessen Günstling, den Fürsten von Eggenberg, über. In diesem Zusannnenhang ist überliefert, dass Fürst von Eggenberg kurz vor 7642 im Hennannschläger Hof, der in die Landtafel einverleibt war, eine Brauerei errichten liess und dieser die herrschaftlichen Untertanen der Umgebung zugewiesen hat. Etwa ein halbes Jahrhundert hindurch - bis ungefähr 1683 - wurde der Braubetrieb aufrechterhalten.

Die Kriegswirren am Ausgang des 17. Jahrhunderts, der Mangel an Rohmatenalien und nicht zuletzt der Verbraucherschwund waren die Ursache, dass der Braubetrieb immer mehr abnahm und schliesslich ganz eingestellt wurde. Im Jahre 1783 - wahrscheinlich anter dem Einfluss der Josephirüschen Reformen - wurde zwar das Bierbrauen wieder aufgenommen aber schon nach kurzer Zeit wegen Unrentabilität wieder beendet. Später wurden immer wieder neuerliche Versuche unternommen, die “herrschaftliche Braustätte in Hermannschlag” in Betrieb zu nehmen. Da jedoch dieses Unternehmen der Stiftsobrigkeit mehr Schaden als Nutzen brachte, Liess man das Bauwerk und die Brauereieinrichtung allmählich verfallen. Im Jahre 1873, als das Gut schon längst in Privatbesitz tibergegangen war, verpachtete man die Braugerechtsame und verkaufte sie schliesslich an die jeweiligen Bierbrauer. Als solche werden im Jahre 1873 Josef Doucha und im Jahre 1880 Franz Gangl genannt. Doucha ist auch der Erbauer des zur Brauerei gehörigen Eiskellers, also des Gär- und Lagerkellers.

Nach den gefundenen Aufzeichnungen betrug im Jahre 1873 der Guss 20 Eimer und die Biererzevgung 980 Eimer. Es müssen in diesem Jahr insgesamt 49 Gebräu durchgeführt worden sein, das heisst jede Woche ein Gebrau, was auf einen zienrlich regen Betrieb schliessen lässt. Im Jahre 1880 wurden je Gebräu 16 Hektoliter hergesteBt, im ganzen Jahr 576 Hektoliter. Dies besagt, dass wohl in den wannen 35 Wochen des Jahres Bier erzeugt wurde, aber in den 17 Winterwochen der Braubetrieb ruhte.

Bei der Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung von Hermannschlag darf eine Besonderheit nicht vergessen werden, nämlich die Ansiedlung von Juden.

Nach einem Duldungspatent von Kaiser Josef II. war es unter anderem auch den Juden gestattet, sich in beschränkter Anzahl auch auf dem Lande niederzulassen. Vorher durften die Juden mit kaiserlicher Erlaubnis nur in den Landeshauptstädten oder grosseren Orten in eigenen Judenvierteln, sogenannten “Ghettos”, wohnen.


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In Südbohmen gab es – ausser in der „königlichen freien Stadt Budweis“ – nur noch in Rosenberg ein Judenviertel. Allmählich versuchten aber Juden auch andernorts, zumeist unweit von Märkten, feste Behausungen zu bekommen, von wo aus sie ihre Handelsfahrten in die Umgebung unternahmen. Es war ihnen nur in der Zeit von sechs Uhr früh bis sechs Uhr abends gestaltet, sich in sogenannten "geschlossenen Orten aufzuhalten. Die übrige Zeit mussten sie ausserhalb dieser Orte verbringen. Nichteinhaltung dieser Vorschriften wurde sehr streng geahndet. Einen Juden über Nacht im Haus zu behalten, und wenn es auch bloss im Stall gewesen wäre, hätte für den "Hausvatei' unangenehme Folgen gehabt.

Zur Zeit von Kaiser Josef II. machte sich in Hermannshlag eine Judenfamilie sesshaft, der alsbald mehrere andere Juden folgten. Zumeist handelte es sich um aus Norddeutschland emigrierte Juden. Der Zuzug wurde dadurch gefördert, dass der damalige Besitzer des landtäflichen Gutes Hermannschlag, namens VON SANDTNER, den Juden gegen eine Zahlung von jährlich 30 Gulden/Konv. Münze die Schutzuntertänigkeit bot.

So entstand im Laufe der Jahre in Hermannschlag eine ansehnliche israelitische Kultusgemeinde, deren Angehörige in den sogenannten „Hofhäuseln' wohnten und von hier aus ihren Geschäften nachgingen. In jedem der genannten "Häusel“ wohnten jeweils zwei Familien. Die Betstube befand sich im „Branntweinhausel“. Ausserdem richteten sie sich eine eigene Schule ein und verfügten auch über einen eigenen Krämer. In den umliegenden Döfern Luschnitz, Meinetschlag und Theresiendorf gab es ebenfalls zahlreiche jüdische Familien, die der Hermannschlager Kultusgemeinde angehörten.

Die Namender Judenin Hermannschlagwaren-soweitbekanntHirsch, Hirschmann, Stein, Wald, Gans, Fuchs und Neugröschl. Der Religionslehrer hiess Salomon Scheck, sein Nachlolger Simon Resch.

Die Besitzerreihe des Hofes seit seiner Gründung kann nur lückenhaft wiedergegeben werden.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wird ein Steffl Dvorschak (Hofmann, Hofbauer) als Inhaber genannt, dem sein Sohn Albrecht Dvorschak nachfolgle.

Während das Cut bisher die Rechte eines Frei hofes genoss, geriet es nun in Abhangigkeit. Albrecht Dvorschak verkaufte näntlich den Erbhof dem Bemhard von Beneschau, einem Krummauer Bürger und Stadtschreiber, gegen einen Jahreszins von 30 Prager Groschen. Am Totenbett trat Bernhard von Beneschau diesen Zins der Krummauer Kirche ab, was Peter von Rosenberg am 20. Juni 7502 bestatigte. Dadurch wurde der ehemalige Freihof der Krummauer Pralatur untertänig und zinspflichtig. Die noch 1564 für den Hof gebräuchliche Bezeichnung “Albrechtenhof’ erinnert an den letzten Freibauem auf dem Hermannschläger Hof. Von den weitertün untertänigen Hofbauern sind bekannt:

  • 1598 die Hofbäuerin Anna,
  • 1603 Mathes Pesku,
  • 1625 Adam Weilgune,
  • 1721 Jakob Pöschko.

Am 23. Juli 1731 verkauke Prälat Siegismund August Heabner den Hof mit alten Rechten dem Josef Konstantin von Muckenberg, Sohn des Konstantin Cottfried Muckenberg auf Zartlesdorf, um den Betrag von 2 O50 Gulden. Dadurch wurde das Gut wieder Freihof und landtäfticher Edelsitz. Seine Tochter Ernestine Karoline ehelichte am 7. Februar 1736 in Deutsch-Beneschau den Ludwig Ignaz Golfinger von Steinsberg und verkaufte den Hof an ihren Schwager Johann Lorenz Golfinger von Steinsberg im Jahre 1737. Beide Golflnger waren Söhne des Craf Buquoy’schen Forstmeisters. Die Verwaltung des Gutes Herntannschlag unter Johann Lorenz Golfinger scheint nicht die beste gewesen zu sein. Dies kann man aus einem Schreiben des Beneschauer Pfarrers Wenzel Höheberger vom 1. August 1744 entnehmen, worin sich dieser beschwert, dass der Besitzer des “Hermannschläger Gutes” schon 7 Jahre hindurch den Pfarrzehent schulde, während er vorher unter Prälat Heubner regelmässig erlegt worden ist.

Johann Lorenz Golfinger verkaufte den Hof am 6. November 1745 an Madame Sophie Wetzker von Neydenstein, geborene von Stemeck.

Im Jahre 7748 erwarb Anton Schneidauer von Oberwallsee den Hof, nachdem er am 29. April 1748 Anna Josefa von Feldegg geehelicht hatte. Schneidauer war Hauptmann im Regiment Harrach und verewigte sich durch Stiftungen für die Kirchen in Kaplitz und Rosenthal.

Im Jahre 1756 folgte als Besitzer der Netolitzer Hauptmann und Wirtschaftsdirektor ]ohann Josef Wolf, der mit der Tochter des Fürstlich Schwarzenberg’schen Burggrafen Ignaz Mucherle, namens Anna Theresia, vermählt war. Im Verlassenschaftsinventar vom 25. Mai 1762 wurde das Gut Hermannschlag auf 5 000 Gulden geschätzt. Ob einer von Wolfs Söhnen den Hof übernahm oder ob er verkauft wurde, ist nicht bekannt.

Im Jahre 1793 hiess die Besitzerin des Hofes Anna Holl. Im Jahre 1799 verkaufte Lorenz Dworschak die zum Hof gehOrende “Lange Sperwiese” an J. Hausl.

Im Jahre 1804 erwarb das Gut Johann Nepomuk Ritter von Mohrweisser, der es bis zum 26. April 1836 besass. Von ihm übernahm es dann Adalbert Roschek, der noch 1843 als Besitzer erwähnt wird. Aus dieser Zeit ist eine nähere Beschreibung des Gutes vorhanden. Es bestand damals aus 20 Häusern mit 114 Untertanen. Der Grundbesitz wird wie folgt angegeben:

  • 43 Joch 529 Klafter Äcker
  • 29 Joch 984 Klafter Wiesen
  • 580 Klafter Gärten
  • 31 Joch 1463 Klafter Waldungen
  • 4 Joch 928 Klafter Hutweiden.

Der Viehbestand auf dem Hofe betrug:

  • 2 Pferde
  • 19 Stück Rindvieh
  • 4 Stück Borstenvieh.

Der Viehbestand bei den Untertanen betrug:

  • 18 Stück Rindvieh
  • 12 Stück Borstenvieh
  • 3 Ziegen.

Ursprunglich zählte das Gut wohl nur wenige Horige, die den uberlichen Robot und die vorgeschriebenen Abgaben leisteten, die aber sicherlich auch an der Urbarmachung des Besitzes regen Anteil hatten. In der Zeit, als das Gut von der Krmumauer Pralatur abhängig war, dürften zur Erhöhung des Erträgnisses einige Gründe in Erbpacht gegeben worden und neue Ansiedler hinzugekommen sein.

Auch die späteren Besitzer dürften Gründe auf ahnliche Weise verwertet haben, so dass nach und nach beim Hof eine selbständige Kolonie entstand, die in den Akten zu Ende des 18. Jahrhunderts unter der Bezeichnung “Klein-Hermannschlag” zusammengefasst wurde. Das Zwangsverhältnis dieser Kolonie zum Gutshof wurde jedoch durch die Robotablösung gelockert und schliesslich im Jahre 1898 ganzlich aufgehoben.

Im Jahre 1855 erscheint als Besitzer des Hofes Josef Sandner und nach ihm Ritter von Grimm verzeichnet. Im Jahre 1873 wurden Josef und Anna Doucha als Eigentumer des Hofes eingetragen. Doucha baute zu dem seit mehr als zweihundert Jahren beim Hof bestehenden Brauhaus einen Eiskeller und bepflanzte den Garten mit Obstbaumen. Die folgenden Hofbesitzer waren:

  • Anton Holzhacker (um 1880)
  • Stanek (um 1890)
  • Ernst Zadrazil (gegen 1900)

Letzterer lizitierte den Hof um den Betrng von 16 500 Gulden im Jahre 1899 und besass ihn bis 1904.

Vorübergehend war dann Baron von Buswald Inhaber des Gutes. Seine Nachfolger Havranek und schliesslich Friedrich und Karolina Pirker waren ebenfalls nur kurze Zeit im Besitz des Gutes. Unter der Bewirtschaftung durch die Pirker kam der Besitz unter den Hammer und wurde nach 500-jahrigem Bestehen aufgelöst. Der Betrieb des Brauhauses wurde eingestellt, der Hof und der zugehörige Grundbesitz von einem gewissen Johann Jaksch zerstückelt. Den grosseren Teil des Gebäudes nebst Grundstücken erwarb im Jahre 1908 Michael Wögler. In den darauffolgenden Jahren verkaufte Wögler den nordostlichen Trakt des Hofes der Gemeinde Hermannschlag um den Betrag von 5 000 Kronen zur Errichtung einer Schule. Diese Schule wurde im Jahre 1916 als Expositur zu Deutsch-Beneschau eröffnet und erreichte 1922 seine Selbst8ndigkeit.

Im Jahre 1848 wurde den Juden die Sesshaftmachung allerorts aufgrund eines kaiserlichen Dekrets gestattet. Daraufhin übersiedelten viele Hermannschlager Judenfamiliennach Budweisund in Orte der weiteren Umgebung. Das Bethaus wurde von Hermannschlag nach Beneschau verlegt.


Seite 17-20

Als Begräbnisort wurde den Juden der uralte Judenfriedhof in Rosenberg zugewiesen. Nach mündlicher Überlieferung besass die Hermannschläger jüdische Kultusgemeinde eine über sechshundert Jahre alte Bundeslade, die ursprünglich von den Juden der Prager Altstadt den Rosenberger Juden und von diesen später den Hermannschläger Juden geschenkt worden sein soll.

Heimat Hermannschlag

Meine Heimat,das Dorf Hermannscttiag, lag im südlichsten Winkel Bahmens, nahe der asterreichischen Grenze. Die Entstehung des Gutshofes Hermannschlag ntit der damals zugehörigen Bierbrauerei sowie des Ortes Hermannschlag selbst habe ich in der vorhergehenden Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung eingehend geschildert. Wie darin erwähnt, wurde der grössere Teil des Hofgebaudes nebst Grundstücken im Jahre 1908 von Michael Wögler, meinem Vater, erworben.

Hier bin ich am 17. Juni 1907 geboren. Der Hausname meines Vaterhauses hiess "beim Hofschneider'. Die auf einer Anhöhe liegenden Hof- und Wirtschaftsgebäude waren weithin sichtbar. Die übrigen Häuser des Ortes lagen zumeist talabwärts entlang des Dorfbaches, wie dies aus dem beiliegenden Lageplan der Cemeinde Hennannschlag zu ersehen ist. Reich ist unser Ort, der Bauernland war, nie gewesen, aber schön war er zu allen Zeiten, denn sonst ware uns seine Landschaft, die herrlichen Wiesen, Felder und Wälder, nicht so unvergesslich geblieben. Das Klima war ziemlich rauh. Die Winter begannen früh und waren streng. Umso schöner war das Frühlingserwachen der Natur und die Pracht des Sommers in Wald und Feld. Gäste aus der Stadt, aus Wien, Budweis, Prag wussten unsere Gegend als Sommerfrische zu schätzen und kamen getreulich jedes Jahr wieder, um tüer ein paar unbeschwerte Urlaubs- und Ferienwochen zu verbringen. Die pilz- und beerenreichen Wälder, die würzige Luft und das köstliche Wasser, die Wanderwege und verlockenden.
Ausflugsziele hatten es ihnen angetan, vor allem aber der gemütliche, bescheidene, freundliche Menschenshlag, der seine Scholle über alles liebte, auch wenn sie noch so karg war, und der jeden bei uns willkommen hiess.

Etwa 3 km von Hermannschlag entfernt war die Stadt Deutsch Beneschau, von der aus in 3 bis 4 Gehstunden die Bahnhafe Kaplitz Umlowitz oder Gratzen erreichbar waren. Beneschau war für uns die “Hauptstadt”. Dorthin ging man zur Kirche, zum Einkaufen, zur Post, zum Arzt, zum Tanzen und auch viele von uns zur Arbeit. Dort habe ich auch wahrend der ersten zwei Jahre meiner Schulzeit die Schulbank gedrückt. Spater wurde der Unterricht in der Hermannshlager Schule aufgenommen.

Von da an besuchte ich die Volksschule in Hermannschlag, die unweit von meinem Vaterhaus erbaut worden war. Das Grundstück, auf dem die Schule stand, geharte vorher zum Gutshof und war von meinem Vater an die Cemeinde Hermannschlag verkauft worden. An der Bürgerschule in Kaplitz habe ich anschliessend meine Schulzeit beendet.

Verkehrsmässig lag Hermannschlag etwas abseits von der Hauptstrasse, die von Beneschau aus nach Kaplitz und Gratzen führte. Dennoch war es für mich der schonste Ort, der Ort meiner Kindheit, wo ich jeden Baum und Strauch, jeden Stock und Stein kannte und sich jeder Ortsbewohner, ob jung oder alt, in seiner Eigenart in meinem Gedachtnis verewigt hat. Wahrend der Sommerszeit, besonders in den grossen Ferien, waren Wald und Flur für mich und meine Kameraden ein Eldorado der Freuden und Neuentdeckungen, sofem uns nicht Hütbubenpflichten oder andere Hilfsaufgaben in Haus und Hof daran hinderten. Barfuss ging es dann an den Wiesen vorbei, über denen Schmetterlinge lustig gaukelten und Insekten summteh, vorbei an den Kornfeldern, in denen der Wind leichte Wellen warf, am Grenzrain entlang und in den Wald hinein. Es gab da Erdbeeren, Himbeeren, Preiselbeeren und vor allem Blaubeeren in Massen, dazu im Herbst allerlei Pilze. Unsere Wälder boten eine Vielfalt an essbaren Pilzen, und wir kannten schon die Platze, wo wir mit Erfolg suchen mussten. Der Wald war ständig erfüllt vom Gesang der Vögel, manchmal ertonte von weither der Ruf des Kuckucks, ein Haher flog auf, ein Eichkätzchen sauste blitzschnell an einem Baumstamm empor oder eine Eidechse schlängelte sich hurtig durch die Beerensträucher. Immer war Leben im Wald. Auch im Ort selbst hatten wir beliebte Spielplatze und Orte der Betätigung. Ob uns der verschlungene, unregulierte und von uns dennoch beliebte Dorfbach noch immer grollt, dass wir ihn zum Tummelplatz unserer Badefreuden oder unserer Fishfangversuche benutzten?

Die Bevölkerung des Ortes war durchwegs römisch-katholisch. Der sonntagliche Kirchenbesuch in Beneschau war für jung und alt eine Selbstverstandlichkeit. Die kirchlichen Feiertage wurden streng eingehalten und die damit verbundenen Bräuche in althergebrachter Tradition gepflegt. Die Weltabgeschiedenheit des Ortes führte dazu, dass die Menschen umso inniger zusammenttielten. Es gab zwei Gasthäuser im Ort, das “Müllner-Gasthaus’ und das “Stegschneider Gasthaus”, wo sich die männlichen Dorfbewohner, vor allem die Bauern, nach getaner Arbeit oder an Sonntagen am Biertisch trafen, um die Dorfneuigkeiten zu erörtern, die Weltereignisse zu besprechen oder sich über die Getreide- und Viehpreise zu informieren. So mancher brave Bürger musste aber auch hier dem Teufel “Alkohol” seinen Tribut zahlen, teils zur Freude, teils zum Gespött seiner Mitmenschen. Im allgemeinen bekannten sich die Bewohner des Dorfes zu einer richtigen Dorfgemeinschaft. Es gab viele Vereine, die für Geselligkeit sorgten, verschiedene Festveranstaltungen, Theateraufführungen, Faschingsumzüge und Ähnliches durchführten.

Durch diese wunderschanen heimatlichen Gefilde bin ich oft gegangen und gefahren, durch all die vertrauten Dörfer und Stadtchen wie Beneschau, Kaplitz, Gratzen, Krummau, Hohenfurth, Rosenberg, Theresiendorf, Meinetschlag, Brtinnl u. a., vorbei an Burgen, Schlössern und Ruinen aus altvergangenen Zeiten. Ich habe dabei niemals an die Möglichkeit gedacht, dass es einmal zum letzten Mal sein wird und das Erlebte und Gesehene einmal für immer Vergangenheit sein könnte.

Mit der Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens am 2. August 1945 durch die Grossmachte war die Austreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten offiziell gebilligt und beschlossen. Ungefähr 18 Millionen Menschen wurden mit einem Federstrich aller Menschenrechte beraubt und dem Nichts preisgegeben. Ein himmelschreiendes Unrecht einmaliger Art in der Weltgeshichte.

Als die Durchführung der Austreibung der Sudetendeatschen zur Sicherheit wurde, begaben sich überall in den Grenzgebieten so auch in Hermannschlag viele Leute, entweder einzetn oder in kleinen Gruppen, auf geheimen Wegen auf den Marsch zur österreichischen Grenze, um wenigstens einen kleinen Teil ihrer Habe in Bündeln, Racksäcken, Koffern oder sogar mit Gespannen über die Grenze zu retten. Auch ich bin viele Male bei Nacht und Nebel schwer bepackt diesen Weg gegangen. Würde ich all das schildem, was ich bei diesen Grenzgängen erlebt habe, es würde Bücher füllen.

Die Optimisten im Ort, die zu Hause blieben und an die tatsächliche Durchführung der Austreibung nicht glaubten, wurden später schwer getauscht. Allmählich setzte man in die Bauernhöfe Tschechen ein, die die Arbeitsanweisungen ausgaben, während die eigentlichen Besitzer als Knechte die Arbeiten zu verrichten hatten. Solange man die Deutschen als Arbeitskräfte brauchte, durften sie bleiben. Nach und nach erhielten alle den Ausweisungsbefehl, holte sie gruppenweise in Sammellagern zusammen und verfrachtete sie in Viehwaggons nach Deutschland. Sie durften nur das Notwendigste mitnehmen, maximal 50 kg Gepäck, keine Wertgegenstände, keinen Schmuck, keine Sparbücher, keine Grundbesitzbogen etc. Oft versteckten sie Schmuckstücke, Geldmünzen oder Wertsachen am Dachboden oderin der Scheune hinter den Dachsparren oder an schwer zugänglichen Stellen im Keller, denn sie dachten, sie gingen nur ftir kurze Zeit weg und würden bald zurückkehren.

Vielfach sagt man, dies war eine Tragödie, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder in grausamer Weise ereignet hat. Doch diesmal war es doch etwas anders. Zwei Völker verschiedener Muttersprache haben Jahrhunderte hindurch in einem Land gelebt, das schliesslich beiden eine Heimat war. Nun hat ein Volk das andere aus dieser Heimat verjagt, entschlossen, es für immer daraus zu verstossen, und zwar gerade jenes Volk, das naeh der geschichtlichen Vergangenheit den Erstanspruch auf dieses Land hätte.

Wir wissen es nicht, ob der Ring der Geschichte nun geschlossen ist.


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Als Begräbnisort wurde den Juden der uralte Judenfriedhof in Rosenberg zugewiesen. Nach mündlicher Überlieferung besass die Hermannschläger jüdische Kultusgemeinde eine über sechshundert Jahre alte Bundeslade, die ursprünglich von den Juden der Prager Altstadt den Rosenberger Juden und von diesen später den Hermannschläger Juden geschenkt worden sein soll.

Heimat Hermannschlag

Meine Heimat,das Dorf Hermannscttiag, lag im südlichsten Winkel Bahmens, nahe der asterreichischen Grenze. Die Entstehung des Gutshofes Hermannschlag ntit der damals zugehörigen Bierbrauerei sowie des Ortes Hermannschlag selbst habe ich in der vorhergehenden Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung eingehend geschildert. Wie darin erwähnt, wurde der grössere Teil des Hofgebaudes nebst Grundstücken im Jahre 1908 von Michael Wögler, meinem Vater, erworben.

Hier bin ich am 17. Juni 1907 geboren. Der Hausname meines Vaterhauses hiess "beim Hofschneider'. Die auf einer Anhöhe liegenden Hof- und Wirtschaftsgebäude waren weithin sichtbar. Die übrigen Häuser des Ortes lagen zumeist talabwärts entlang des Dorfbaches, wie dies aus dem beiliegenden Lageplan der Cemeinde Hennannschlag zu ersehen ist. Reich ist unser Ort, der Bauernland war, nie gewesen, aber schön war er zu allen Zeiten, denn sonst ware uns seine Landschaft, die herrlichen Wiesen, Felder und Wälder, nicht so unvergesslich geblieben. Das Klima war ziemlich rauh. Die Winter begannen früh und waren streng. Umso schöner war das Frühlingserwachen der Natur und die Pracht des Sommers in Wald und Feld. Gäste aus der Stadt, aus Wien, Budweis, Prag wussten unsere Gegend als Sommerfrische zu schätzen und kamen getreulich jedes Jahr wieder, um tüer ein paar unbeschwerte Urlaubs- und Ferienwochen zu verbringen. Die pilz- und beerenreichen Wälder, die würzige Luft und das köstliche Wasser, die Wanderwege und verlockenden.
Ausflugsziele hatten es ihnen angetan, vor allem aber der gemütliche, bescheidene, freundliche Menschenshlag, der seine Scholle über alles liebte, auch wenn sie noch so karg war, und der jeden bei uns willkommen hiess.

Etwa 3 km von Hermannschlag entfernt war die Stadt Deutsch Beneschau, von der aus in 3 bis 4 Gehstunden die Bahnhafe Kaplitz Umlowitz oder Gratzen erreichbar waren. Beneschau war für uns die “Hauptstadt”. Dorthin ging man zur Kirche, zum Einkaufen, zur Post, zum Arzt, zum Tanzen und auch viele von uns zur Arbeit. Dort habe ich auch wahrend der ersten zwei Jahre meiner Schulzeit die Schulbank gedrückt. Spater wurde der Unterricht in der Hermannshlager Schule aufgenommen.

Von da an besuchte ich die Volksschule in Hermannschlag, die unweit von meinem Vaterhaus erbaut worden war. Das Grundstück, auf dem die Schule stand, geharte vorher zum Gutshof und war von meinem Vater an die Cemeinde Hermannschlag verkauft worden. An der Bürgerschule in Kaplitz habe ich anschliessend meine Schulzeit beendet.

Verkehrsmässig lag Hermannschlag etwas abseits von der Hauptstrasse, die von Beneschau aus nach Kaplitz und Gratzen führte. Dennoch war es für mich der schonste Ort, der Ort meiner Kindheit, wo ich jeden Baum und Strauch, jeden Stock und Stein kannte und sich jeder Ortsbewohner, ob jung oder alt, in seiner Eigenart in meinem Gedachtnis verewigt hat. Wahrend der Sommerszeit, besonders in den grossen Ferien, waren Wald und Flur für mich und meine Kameraden ein Eldorado der Freuden und Neuentdeckungen, sofem uns nicht Hütbubenpflichten oder andere Hilfsaufgaben in Haus und Hof daran hinderten. Barfuss ging es dann an den Wiesen vorbei, über denen Schmetterlinge lustig gaukelten und Insekten summteh, vorbei an den Kornfeldern, in denen der Wind leichte Wellen warf, am Grenzrain entlang und in den Wald hinein. Es gab da Erdbeeren, Himbeeren, Preiselbeeren und vor allem Blaubeeren in Massen, dazu im Herbst allerlei Pilze. Unsere Wälder boten eine Vielfalt an essbaren Pilzen, und wir kannten schon die Platze, wo wir mit Erfolg suchen mussten. Der Wald war ständig erfüllt vom Gesang der Vögel, manchmal ertonte von weither der Ruf des Kuckucks, ein Haher flog auf, ein Eichkätzchen sauste blitzschnell an einem Baumstamm empor oder eine Eidechse schlängelte sich hurtig durch die Beerensträucher. Immer war Leben im Wald. Auch im Ort selbst hatten wir beliebte Spielplatze und Orte der Betätigung. Ob uns der verschlungene, unregulierte und von uns dennoch beliebte Dorfbach noch immer grollt, dass wir ihn zum Tummelplatz unserer Badefreuden oder unserer Fishfangversuche benutzten?

Die Bevölkerung des Ortes war durchwegs römisch-katholisch. Der sonntagliche Kirchenbesuch in Beneschau war für jung und alt eine Selbstverstandlichkeit. Die kirchlichen Feiertage wurden streng eingehalten und die damit verbundenen Bräuche in althergebrachter Tradition gepflegt. Die Weltabgeschiedenheit des Ortes führte dazu, dass die Menschen umso inniger zusammenttielten. Es gab zwei Gasthäuser im Ort, das “Müllner-Gasthaus’ und das “Stegschneider Gasthaus”, wo sich die männlichen Dorfbewohner, vor allem die Bauern, nach getaner Arbeit oder an Sonntagen am Biertisch trafen, um die Dorfneuigkeiten zu erörtern, die Weltereignisse zu besprechen oder sich über die Getreide- und Viehpreise zu informieren. So mancher brave Bürger musste aber auch hier dem Teufel “Alkohol” seinen Tribut zahlen, teils zur Freude, teils zum Gespött seiner Mitmenschen. Im allgemeinen bekannten sich die Bewohner des Dorfes zu einer richtigen Dorfgemeinschaft. Es gab viele Vereine, die für Geselligkeit sorgten, verschiedene Festveranstaltungen, Theateraufführungen, Faschingsumzüge und Ähnliches durchführten.

Durch diese wunderschanen heimatlichen Gefilde bin ich oft gegangen und gefahren, durch all die vertrauten Dörfer und Stadtchen wie Beneschau, Kaplitz, Gratzen, Krummau, Hohenfurth, Rosenberg, Theresiendorf, Meinetschlag, Brtinnl u. a., vorbei an Burgen, Schlössern und Ruinen aus altvergangenen Zeiten. Ich habe dabei niemals an die Möglichkeit gedacht, dass es einmal zum letzten Mal sein wird und das Erlebte und Gesehene einmal für immer Vergangenheit sein könnte.

Mit der Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens am 2. August 1945 durch die Grossmachte war die Austreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten offiziell gebilligt und beschlossen. Ungefähr 18 Millionen Menschen wurden mit einem Federstrich aller Menschenrechte beraubt und dem Nichts preisgegeben. Ein himmelschreiendes Unrecht einmaliger Art in der Weltgeshichte.

Als die Durchführung der Austreibung der Sudetendeatschen zur Sicherheit wurde, begaben sich überall in den Grenzgebieten so auch in Hermannschlag viele Leute, entweder einzetn oder in kleinen Gruppen, auf geheimen Wegen auf den Marsch zur österreichischen Grenze, um wenigstens einen kleinen Teil ihrer Habe in Bündeln, Racksäcken, Koffern oder sogar mit Gespannen über die Grenze zu retten. Auch ich bin viele Male bei Nacht und Nebel schwer bepackt diesen Weg gegangen. Würde ich all das schildem, was ich bei diesen Grenzgängen erlebt habe, es würde Bücher füllen.

Die Optimisten im Ort, die zu Hause blieben und an die tatsächliche Durchführung der Austreibung nicht glaubten, wurden später schwer getauscht. Allmählich setzte man in die Bauernhöfe Tschechen ein, die die Arbeitsanweisungen ausgaben, während die eigentlichen Besitzer als Knechte die Arbeiten zu verrichten hatten. Solange man die Deutschen als Arbeitskräfte brauchte, durften sie bleiben. Nach und nach erhielten alle den Ausweisungsbefehl, holte sie gruppenweise in Sammellagern zusammen und verfrachtete sie in Viehwaggons nach Deutschland. Sie durften nur das Notwendigste mitnehmen, maximal 50 kg Gepäck, keine Wertgegenstände, keinen Schmuck, keine Sparbücher, keine Grundbesitzbogen etc. Oft versteckten sie Schmuckstücke, Geldmünzen oder Wertsachen am Dachboden oderin der Scheune hinter den Dachsparren oder an schwer zugänglichen Stellen im Keller, denn sie dachten, sie gingen nur ftir kurze Zeit weg und würden bald zurückkehren.

Vielfach sagt man, dies war eine Tragödie, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder in grausamer Weise ereignet hat. Doch diesmal war es doch etwas anders. Zwei Völker verschiedener Muttersprache haben Jahrhunderte hindurch in einem Land gelebt, das schliesslich beiden eine Heimat war. Nun hat ein Volk das andere aus dieser Heimat verjagt, entschlossen, es für immer daraus zu verstossen, und zwar gerade jenes Volk, das naeh der geschichtlichen Vergangenheit den Erstanspruch auf dieses Land hätte.

Wir wissen es nicht, ob der Ring der Geschichte nun geschlossen ist.


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Sicher ist, dass wir uns alle – nach bitteren Jahren der Not und Entbehrungen- in der neuen Heimat durchgesetzt haben. Unbeschadet davon bleibt aber unser Recht auf die Heimat, auf unsere geraubte Heimat, und das Recht auf Selbstbestimmung bestehen. Das einzige, was von den ehemaligen Ortsgemeinschaften geblieben ist, sind die Heimattreffen. Da sitzen sie dann zu Tausenden in Sälen, Zelten und Hallen oder im Freien, an mit Tafeln versehenen Tischen, sortiert nach Herkunftsgebieten und Ortschafren. Von weither konvnen sie angereist und es beschleicht sie das Gefühl, als kämen sie wieder nach Hause. Hier an den Tafeln stehen noch die alten deutschen Ortsbezeichnungen wie Kaplitz, Gratzen, Krummau, Deutsch-Beneschau, und die dort Sitzenden fallen unwillkürlich wieder in ihren alten heimatlichen Dialekt zurück, verwenden lang nicht mehr gebrauchte Worte, erinnern an lang vergangene Zeiten, erzählen aus ihrem Leben, von ihren Kindern and Enkelkindern. Hier findet sich wieder zusammen, was einst mit Absicht voneinander getrennt und in alle Himmelsnchtungen verstreut worden ist. Es ist ein Wiedersehen mit den nachsten Verwandten, mit ehemaligen Schulfreunden und vor allem mit vertrauten alten Leuten, von denen man bei Abreise das Gefühl mitnimmt, daB es vielleicht ein Abschied für immer sein wird. Beim nächsten Treffen werden sicherlich wieder einige von ihnen fehlen, und mit ihnen wird wiederum ein Stück Vergangenheit unwiderruflich gestorben sein.

Mein liebes, kleines Dorf Hennannschlag. Dein Name ist nur noch Erinnerung, denn du bist kein deutsches „Hennannschlag“ mehr, nur noch ein von den "vertriebenen Deutscheri' verlassenes und von den kommunistischen tschechischen Vertreibern dem allmählichen Verfall preisgegebenes Dorf. Dein Bild ist stumm, aber es besagt mir viel, denn das Herz weist dem Auge den Weg in das Heimathaus, wo das Leben begann, in die Schule, wo es ernster wurde, in den "Hofschneider-Hof', dessen Bewirtschaftvng ich nach der Verehelichung mit der Kathi Polzer aus Hardetschlag übernahm und bis zur Vertreibung führte, zu den Eltern und Grosseltern, bei denen die Kindheit ihren Himmel erlebte, und schliesslich zu den Nachbarn, Freunden und Gefährten einer längst vergangenen glücklichen Zeit.

Es drangt ntich, in einem Anhang eine Schilderung darüber zu geben, wie es einmal in Hermannschlag war, wer in unserem Dorf gelebt hat und welche besonderen Erlebnisse rnit dem einen oder anderen Dorfbewohner in meinem Gedächtnis für immer haften geblieben ist.

Bei Aufzahlung der Baulichkeiten in Hermannschlag soll das schöne Kriegerdenkmal beim kleinen Kircherl in der Dorfndtte nicht vergessen werden. Es wurde von der Dorfgemeinschaft zur Erinnerung an die Gefallenen im Ersten Weltkrieg errichtet. Auch aus dem Zweiten Weltkrieg sind 10 Ortsangehörige der Wehnnacht nichf mehr zurückgekehrt. Die Austreibung der Deutshen nach Kriegsende hat es verhindert, auch deren Namen am Kriegerdenkmal zu verewigen. Sie wurden Opfer eines sinnlosen Krieges, der viel Leid und Not über die Menschheit gebracht hat.

Nachstehend die Aufzahlung der Namen, womit ich den Gefallenen-mit denen mich viele freundschaftLche Erinnerungen verbinden - die letzte Ehre erweisen möchte:

  • Pfleger Johann Hausname:Huis
  • Furtner Johann Hausname:Bölderl
  • Furtner Karl Hausname: Bölderl
  • Pölz Johann Hausname: Wastl
  • Proksch Karl Hausname: GiV
  • Jaksch Hausname: Schmied
  • Koppelhuber Hausname: Linhart
  • Dertak Josef Hausname: Mullers
  • Ranzinger Karl Hausname: Ambruxh
  • Jaksch Jakob Hausname: Schönauer

Von Jaksch Jakob hat man noch in Erfahrung gebracht, daLd er bei Kriegsende in einer Schule untergebracht war, dann aber vom Schuldiener an die Russen verraten und von diesen in das Innere Russlands verschleppt wurde. Seine Mutter wartete viele Jahre hindurch auf seine Rückkehr und gab diese Hoffnung bis zu ihrem Tode nicht auf.

Hermennschlag - Eine kliene Dorfchronik

Aus Liebe zur Heimat habe ich mich - 45 Jahre nach der Vertreibung- mit diesen Ausführungen bemüht, unserem Heimatort Hermannschlag ein kleines Denkmal zu setzen. Diese Aufzeichnungen sollen Zeugnis geben von unserer Herkunft, von der mehr als 800jährigen Aufbauleistung unserer Vorfahren, die diesen Raum besiedelten und zu ihrem Lebensraum gemacht haben. Es ist notwendig, dass wir den Mitmenschen und der Umwelt sagen, wer wir waren, woher wir kamen und was wir besessen. In diesem Sinne soll diese Chronik ein Bindeglied von uns zu den nachfolgenden Generationen sein.

Oft ist der Böhmerwald, insbesondere der südliche Böhmerwald, als armes Land beschrieben worden. Doch die Bewohner betrachteten sich durchaus nicht als arm. Es gab breitgelagerte Bauernhöfe mit weiten Feldern und dazugehörigen ausgedehnten Wäldern, und auch das Handwerk hatte in dem landlichen Raum sein gutes Auskommen. Sein Reichtum waren der Fleiss und die Tüchtigkeit der Bewohner. Es gab andererseits nicht wenige Familien, bei denen Schmalhans Küchenmeister war. Die Bauem und ihr Gesinde mussten von früh bis spät abends, oft bis in die Nacht hinein, schwere Arbeit leisten, die ihnen keine Maschine abnahm. Das schwerste Leben hatte die Bäuerin, die neben dem Haushalt und neben der Erziehung der Kinder auch noch im Stall und am Feld mitarbeiten musste, keinen Sonntag oder Feiertag hatte und keinen Urlaub kannte.

Zu der Zeit, als ich in Beneschau und in Hermannschlag die Schulbank drtickte, also vor dem Ersten Weltkrieg, lebten die Leute bei uns grösstenteils von den Erträgen ihrer meist kleinen Landwirtschaften. Die “Fortgeher” oder “Häuselleute” arbeiteten als Maurer, Zimmerleute oder Hilfsarbeiter den ganzen Sommer über in verschiedenen Grossstädten Österreichs, von den Familien getrennt, um wenigstens soviel zu verdienen, daB sie im Winter nicht hungern mussten. Wir Dorfkinder von damals lebten so bescheiden, dass sich die Jugend von heute davon keine Vorstellung machen kann. Eine “Kaisersemmel” war schon eine Kösttichkeit. Süssigkeiten gab es nur ganz selten.


Seite 24-27

In Hermannschlag gab es eine grosse Anzahl von "Fortgehern', die mit ihren Familien meist in den Ausgedingehäuseln der Bauern wohnten. In Südbühmen selbst fehlten für die "Fortgeher' die Verdienstmöglichke­iten. Sie bildeten aber im ausgehenden 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts ein reiches Gastarbeiterreservoir für Österreich, vor allem für Wien, und auch für die böhmischen Länder. Die Nachfrage nach Bauhandwerkern, Mauren und Zimmerleuten war besonders gross, und da unsere Leute als besonders arbeitsam bekannt waren, fanden sie Jahr für Jahr von Frühjahr bis Herbst Beschäftigung. Das ersparte Geld, das die Fortgeher heimbrachten, war ein ganz wichtiger Faktor in der Weiterentwicklung der einheimischen Wirtschaft.

Ein Segen für viele Familien in unserer Heimat war in den 20-iger und 30-iger Jahren, wo zum Teil grosse Arbeitslosigkeit herrschte, das Untemehmen „ROSTOCK“. Die Firma Rostock befasste sich weltweit mit der Herstetlung von Betonbehältern, Lagertanks usw. nach einem Spezialverfahren and holte einen Grossteil seiner technischen Fachkräfte aus der Beneschauer und Kaplitzer Umgebang. Diese Leate waren Spitzenverdiener. Auch ich arbeitete mehrere Jahre bei Rostock und war im Jahre 1929 in Wuppertal-Barmen dabei, als von der Firma der erste Hochbau zur Aufnahme von Standfässern und Lagerbottichen errichtet wurde. Ich kann mich noch gut erinnern, daB ic6 in den dreissiger Jahren, als ich in Magdeburg und im Rheinland eingesetzt war, alle vierzehn Tage 1 000 Kronen erspartes Geld nach Hause schicken konnte. Zam Vergleich, eine Dienstmagd in der Landwirtschaft verdiente diesen Betrag ungefähr in einem ganzen Jahr.

Man sollte meinen, dass die Dorfburschen froh gewesen wären, wenn sie nach dem schweren'ragwerk ins Bett gehen hätten können. Doch im Gegenteil, am Abend dachten sie nicht an das „Niederlegen“, sondem man ging zu den „Menschari' fensterln. Ja, der Herrgott hat die "Dirnderl“ zum Lieben erschaffen. Und wie das gemacht wird, das ist wohl auf der ganzen Welt anders. In unserer Heimat ging man halt "fensterln'. Das war aber gar nicht so einfach, wie es sich anhört. So ohne Vorbereitung durfte man sich nicht zum Fenster seiner "Schönen' wagen. Zuerst musste man eine Reihe von Fensterlsprüchen auswendig lernen, bevor man sich - manchmal in stockfinsterer Nacht - zum Kammerlfenster auf den Weg machte. Ob man von der Angebeteten erhört wurde und eine “bettwarme Hand” bekam, lag an der Sprachgewandtheit und der Überredungskunst des Werbenden. Allgemein gab es bestimmte “Menschemächte”, wo die Burschen zu ihren “Liebsten’ unterwegs waren. Sicherlich begleiten einen jeden von uns viele lustige Erinnerungen an Erlebnisse, die in solchen “Menschernächten” passiert sind und über die man selbst heute noch lachen kann. Ihre Wiedergabe würde den Umfang dieser Chronik bei weitem sprengen.

Nicht vergessen möchte ich eine Erzählung oder Sage, die sich in Hermannschlag abgespielt haben soll und von der der Lehrer Pritz Huemer-Kreiner aus Deutsch-Benescbau in seinen Aufzeichnungen berichtet:

“In Hermannschlag lebte vor Jahren ein arger Sünder. Des Sonntags, wenn die anderen Dorfleute in die Kirche gingen, verrichtete er die schwersten Arbeiten, trieb sich in den Gasthäusem herum, führte dort sündhafte Reden oder entweihte den Tag des Herrn auf andere Art und Weise. Die zehn Gebote Gottes legte er auf seine Art aus; die sieben Haaptsünden aber gehörten zu seinen täglichen Gewohnheiten. Eines Tages, es war gerade am Preitag vor der Karwoche, trieb er es besonders arg. Bis spät in die Nacht sass er in der Dorfschanke, trank dort über alles Mass, fluchte dabei über Tod und Teufel, Iästerte Gott und hieB die seligste Jungfrau eine schamlose Dirne. Auf dem Heimweg warf er rnit Steinen nach dem Kreuz am Wege. Da war ihm plötzlich, wie wenn sich eine schwarze Gestalt hinter ihm bewegte. Er getraute sich aber nicht, umzusehen. Kaum hatte er sich daheim ins Bett begeben, als ihm auch schon die unheimliche Gestalt nachkam und ihn mit glühenden Augen unverwandt ansah. Dem trunkenen Prevler wurde ängstlich zumute. Er wollte um Hilfe rufen, konnte aber keinen Laut hervorbringen. Schon verspürte er den schwefeligen Atem des sich seinem Bett nähemden Unholds, als er seine letzten Kräfte zusammenriss und sich bekreuzigte. Da verschwand die Gestalt. Der Bursche benetzte sich danach mit Weihwasser und wurde ab dieser Stunde wieder ein ordentlicher Christenmensch.”

Wie dieser “bekehrte Lästerer” geheissen hat und wann er gelebt haben soll, konnte ich nicht herausfinden.

Nachfolgend nun eine kurze Beschreibung der einzelnen Cehofte und Häuser von Hermannschlag und deren Bewohner sowie einiger damit zusammenhängenden besonderen Ereignisse.

Gemeinde Hermannschlag bei Deutsch - Beneschau

Das Dorf Hermannschlag war eine selbständige Gemeinde, gehörte zum Pfarrsprengel von Deutsch-Beneschau und zum Verwaltungsbezirk von Kaplitz. Die Gemeinde hatte eine Flachenausdehnung von 695 Hektar. Die Einwohnerzahl und die Anzahl der Häuser betrug laut Volkszählung:

  • 1880 - 361 Einwohner (deutsch) - 77 Häuser
  • 1910 - 384 Einwohner (deutsch) - 78 Häuser
  • 1939 - 304 Einwohner (deutsch) - 83 Häuser.

Alle Einwohner waren ramisch-katholisch.Tschechische Einwohner hat es in Hennannschlag nicht gegeben. Folgende Daten sind Hinsichtlich der Entwicklung von Hermannschlag noch besonders erwähnenswert:

  • 1858 - Bau einer Kapelle
  • 1907 - Bau eines Friedhofs
  • 1915 - Bau einer Volksschule
  • 1900 - Grundung der Ortsgruppe “Deutscher Bauemvereirt’
  • 1912 - Gründung der Ortsgmppe “Deutscher Kulturverein’ und “Deutscher Bohmerwaldbund”
  • 1912-Gründung einer Laienspielgruppe
  • 1935 - Gründung einer OG “Bund der deutschen Landjugend”

Anbei ein genaues Verzeichnis der Hausbesitzer in der Gemeinde Hermannschlag vor der Vertreibung durch die Tschechen im Jahr 1945.


Kontakt

Nadační fond Hermannschlag

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